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Carl Haag: Selbstbildnis 1844
© Uemo German Culture Village Miyako-jima

In dem Lesebuch von Anton Ph. Schwarz, Oberwesel, Bilder aus der Geschichte einer kleinen Stadt am großen Strom, im Jahre 2004 herausgegeben von der Kulturstiftung Hütte Oberwesel, findet man neben drei Abbildungen mit Werken von Carl Haag eine weitere, die den Künstler als Jugendlichen zeigt. Im Oberweseler Stadtmuseum schmückt die Reproduktion des Bildnisses den Carl-Haag-Raum, in dem auch der Brief des Prinzen Charles zu sehen ist, den er anlässlich ihrer Gründung 2015 an die Internationale Carl-Haag-Gesellschaft geschrieben hat. Das Selbstporträt aus dem Jahre 1844, so heißt es, soll sich im Stadtmuseum Erlangen befinden, doch ist es dort, wie die Nachfrage ergeben hat, unbekannt.

Recherchen haben nun ergeben, dass sich das Selbstporträt seit Jahren in Japan befindet, und zwar im Uemo German Culture Village in Miyako-jima うえのドイツ文化村 (パレス館) auf der Insel Miyako, dreihundert Kilometer südlich von Okinawa. Dort steht ein Museum, bei dem es sich um den exakten Nachbau der bekannten mittelrheinischen Marksburg im Maßstab 1:1 handelt. Auch das Innere der Burg hat viel Ähnlichkeit mit dem Original in Braubach. Und genau hier sind drei Werke von Carl Haag ausgestellt, darunter das besagte frühe Selbstporträt.

Nach Japan kam der kleine Bestand kam aus Deutschland über einen Galeristen. Die Bilder waren 1983 im kurzlebigen Museum für Rheinromantik auf der Schönburg in Oberwesel ausgestellt. Sie stammen aus dem Nachlass von Auguste (Gusti) Haag, der Großnichte des Malers, die viele Jahre lang als Geigerin in St. Goar lebte und 1982 gestorben ist. Ein Antiquitätenhändler hat im Auftrag der Nachlassverwalterin das Bild zusammen mit sechs weiteren Positionen verkauft. Im Kaufvertrag ist es folgendermaßen beschrieben: „Selbstporträt des Malers C. Haag, Öl auf Leinwand, 38/47.5 cm, gemalt 1844, ohne Signum auf der Malseite, Rückseite eigenhändig beschriftet, schwerer Rahmen aus der Zeit.“

Das Porträt zeigt Carl Haag im Alter von 24 Jahren, jünger aussehend und ohne Bart, es ist kurz vor oder nach seinem Umzug von Nürnberg nach München entstanden, wo er nach Abschluss der Nürnberger Kunstschule schnell als gefragter Porträtmaler Karriere machte und sich nebenbei durch eigene Studien in der Münchener Akademie der Bildenden Künste weiterbildete.

Freundlicherweise hat die japanische Museumsleitung für uns die Bilder fotografiert. Dort befinden sich: Ein Aquarell aus dem Jahre 1850 im vergoldeten Rahmen mit der Rheinsicht von Oberwesel zwischen dem noch nicht ausgebauten Roten Turm und dem Ochsenturm sowie einigen damals neuen Dampfschiffen (Es ist abgebildet in meinen Buch Hofmaler Carl Haag, Oberwesel 2003, erhältlich im Kulturhaus Oberwesel); Carl Haags aquarellierte Zeichnung Der Rothe Turm mit Straßenthor und Stadtmauerstück. Sein gegenwärtiger Zustand. Das Projekt des Ausbaues, entstanden im Mai 1864 (am genannten Ort abgebildet), und, in einem prächtigen Goldrahmen des 19. Jahrhunderts, das Selbstporträt des jungen Carl Haag aus dem Jahre 1844.

Zum Fotografieren hat man, wie wir sehen, das Bild auf den Boden gestellt. Im Hintergrund ist ein Turm zu erkennen, um welche Stadt mag es sich handeln?

© Walter Karbach 2015